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Artikel über die Studenteninitiative in der Zeitung "Welt" Drucken E-Mail
Mittwoch, 17. März 2010
Die Tageszeitung "Die Welt" veröffentlicht einen Artikel über die Studenteninitiative für Kinder e.V.

"Wen die Vergangenheit plagt

Von Benjamin Gajkowski, 17.03.2010

Tausende Studenten haben sich zusammengeschlossen, um Kindern in Heimen Nachhilfe zu geben


Berlin
- Es ist die Vergangenheit, die Jonathan* zu schaffen macht. Jeden Dienstag gegen halb vier Uhr nachmittags für eineinhalb Stunden. Dann liegt sie direkt vor ihm, die böse Vergangenheit. Mit seiner eigenen traurigen komme der 14-Jährige noch ganz gut klar, sagt Helmut Stumpf, Leiter des Kinderheimes Mariaschutz in Berlin Schöneberg. Aber nicht mit der spanischen.
Im Grammatikunterricht in der Schule haperte es auf einmal. Wann wird noch mal das "preterito perfecto" benutzt? Jonathan konnte es sich nicht merken. "Ein wenig faul könnte man auch sagen", sagt Thordis Kombrink, 24, Wirtschaftspädagogikstudentin. Jeden Dienstag gibt sie Jonathan Nachhilfe in Spanisch. Seit eineinhalb Jahren macht sie das nun, nachdem sie einen Artikel über die "Studenteninitiative für Kinder" gelesen hatte. "Wissen verschenken" stand da als Leitspruch geschrieben. Im Text selbst erfuhr sie von dem gemeinnützigen Verein, der 2005 gegründet wurde. Studenten haben sich zusammengetan, um Heimkindern kostenlos Nachhilfe zu geben. Als Kombrink einstieg, waren 500 Studentinnen und Studenten in dem Projekt engagiert, heute sind es 3500 in ganz Deutschland...."

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Die Tageszeitung "Die Welt" veröffentlicht einen Artikel über die Studenteninitiative für Kinder e.V.

"Wen die Vergangenheit plagt

Von Benjamin Gajkowski

Tausende Studenten haben sich zusammengeschlossen, um Kindern in Heimen Nachhilfe zu geben


Berlin
- Es ist die Vergangenheit, die Jonathan* zu schaffen macht. Jeden Dienstag gegen halb vier Uhr nachmittags für eineinhalb Stunden. Dann liegt sie direkt vor ihm, die böse Vergangenheit. Mit seiner eigenen traurigen komme der 14-Jährige noch ganz gut klar, sagt Helmut Stumpf, Leiter des Kinderheimes Mariaschutz in Berlin Schöneberg. Aber nicht mit der spanischen.
Im Grammatikunterricht in der Schule haperte es auf einmal. Wann wird noch mal das "preterito perfecto" benutzt? Jonathan konnte es sich nicht merken. "Ein wenig faul könnte man auch sagen", sagt Thordis Kombrink, 24, Wirtschaftspädagogikstudentin. Jeden Dienstag gibt sie Jonathan Nachhilfe in Spanisch. Seit eineinhalb Jahren macht sie das nun, nachdem sie einen Artikel über die "Studenteninitiative für Kinder" gelesen hatte. "Wissen verschenken" stand da als Leitspruch geschrieben. Im Text selbst erfuhr sie von dem gemeinnützigen Verein, der 2005 gegründet wurde. Studenten haben sich zusammengetan, um Heimkindern kostenlos Nachhilfe zu geben. Als Kombrink einstieg, waren 500 Studentinnen und Studenten in dem Projekt engagiert, heute sind es 3500 in ganz Deutschland. Dabei begann der Verein als Ein-Mann-Betrieb, der nur aus Sinisa Toroman bestand; er war damals selbst noch Student in Mannheim. Als er davon erfuhr, dass Nachhilfe in Kinderheimen nicht mehr bezahlt würde, machte er sich ins nächste Heim auf und büffelte dort mit den Kindern Mathe und Deutsch. Aber ich allein, das reicht nicht, sagte sich Toroman und gründete die "Europäische Jungakademiker Gesellschaft". In den nächsten Monaten stellte er sich vor proppevolle BWL-Vorlesungen und erzählte, was er vorhatte. "Heute haben wir knapp dreißig Niederlassungen, davon eine in London und eine in Straßburg", sagt Toroman.

Finanziert wird der Verein durch Spenden von Unternehmen wie der Deutschen Telekom. Viel würde aber zum Glück nicht gebraucht, sagt Toroman. 2009 waren es gerade einmal 1500 Euro für Flyer und Druckkosten. Besondere Vorraussetzungen zum Unterrichten brauche man nicht. "Es geht meist um Stoff aus der achten Klasse Hauptschule. Das kriegt man als Student hin", ist Toroman überzeugt. Der Verband funktioniert nach dem Franchise-System. Die "Europäische Jungakademiker Gesellschaft" ist der Dachverband. Sie stellt den einzelnen "Studenteninitiative für Kinder"-Ortsverbänden Flyer und Logos. Jeder Student kann einen gründen.

So wie Thordis Kombrink. Sie gründete in Berlin einen Ortsverband. Seitdem sorgt sie dafür, dass Kinder in fünf Berliner Heimen Nachhilfe bekommen in Englisch, Deutsch, Mathe oder Spanisch.

Ihr Schützling Jonathan wolle einmal Innenarchitektur studieren, sagt Kombrink. Da brauche man ein gutes Abitur. Und das soll nicht an der Vergangenheit scheitern. Schon gar nicht an der spanischen.

http://www.welt.de/die-welt/politik/article6810761/Wen-die-Vergangenheit-plagt.html

 
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